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Historischer Boden

Buschenschank erinnert an TURM VIII

Die maximilianische Befestigungsanlage – Die heiterste Festung der Welt

Gastgarten der Buschenschank mit Bacchus Kaum eine Festung der Welt hat eine so kuriose Geschichte wie die Türme rund um Linz. Sie wurden zwischen 1827 und 1837 von Erzherzog Maximilian von Österreich-Este gebaut und sollten an Österreichs „Westmark“ über 4120 Mann als Besatzung aufnehmen und gegebenenfalls einer Armee von 80.000 Mann Möglichkeit zum Verschanzen bieten.

Aber die zweiunddreißig Befestigungstürme von Linz haben – außer dem Probeschießen auf den Freinberg-Turm im November 1828 vor dem Kaiser – nie einen echten Kriegsschuss gehört. Die vier Toten aus den Reihen der Tausenden Arbeitskräfte beim Festungsbau waren die einzigen Opfer.

Wohl noch unter dem Eindruck des Krieges Österreich gegen Frankreich (1809) und nach dem Wiener Kongress (1814 bis 1815) hatte Erzherzog Maximilian diese Linzer Festung erbaut. Zunächst aus eigener Tasche. Sie mag ihn über 1,5 Millionen Gulden gekostet haben, die er erst Jahre nach der Fertigstellung vom Kaiser zurück bekam. Maximilian kaufte sich davon seinen Ruhesitz Ebenzweier. Dass er Linz (und nicht etwa Enns) zum Festungsplatz erwählt hatte und nicht den Kürnberg einbezog, wurde damals vielfach kritisiert, und erst als die „Probebelagerung“ des Freinberg-Turmes im Jahre 1828 den Hunderten Kanonenschüssen gut standhielt, kam Schwung in den Bau, den das Genie-Korps durchführte.

Berühmter Bauherr

Planverfasser war der Baumeister Ing. Franz Zola, der Vater des weltberühmten französischen Romanautors Emile Zola. Es wurden etwa 16 Millionen Ziegel verbaut, 1,4 Millionen Kubikmeter Erde bewegt, es mussten 11.200 Bäume gefällt und eigene Verbindungsstraßen von Turm zu Turm gebaut werden. Die drei Stockwerke großen Festungstürme waren zu zwei Dritteln unter der Erde. Zwei Meter dicke Außenmauern aus schwerem Bruchstein umgaben die einzelnen Wehranlagen, die bis zu fünfzehn Schießscharten aufwiesen, für elf Geschütze eingerichtet waren und vom Lebensmitteldepot für vier Monate Belagerung (200 Zentner Mehl, 3420 Pfund gepökeltes Rindfleisch, 85 Eimer Bier, 213 Pfund Rauchtabak) bis zum eigenen Brunnen, Backofen und sogar einem Arrestlokal „autark“ ausgestattet sein mussten.

Beginnend mit Turm 1 (der etwa westlich der Straßengabelung Wien-Salzburg an der Wiener Straße lag), waren die Türme nummeriert und hatten auch Kosenamen bekommen. Es gab ein Sopherl, ein Margareterl, ein Appollonerl u.a. Alle 560 Meter etwa stand im Umkreis von sechs Kilometern rund um Linz solch ein Befestigungsturm.

Teure Erhaltung

Heute sind von ihnen vielfach nur Bruchstücke erhalten. Denn der einzige militärische Zweck, für den diese Anlage diente, war nach dem Feldzug gegen Bosnien und Herzegowina im Jahre 1878 die Verwendung als Kriegsgefängnis für 1200 türkische Offiziere, Soldaten und auch für verschleierte Türkenfrauen, die eine Attraktion für die Linzer waren. Die Erhaltung der Anlage kam die staatlichen Stellen zu teuer und so kamen die Türme „unter den Hammer“. Einst hatte ein Turm an die 50.000 Gulden gekostet, jetzt wurden sie für 200 bis 800 Gulden versteigert.

"Zwergerl schnäuzen"

Um 1897 erwarb die Linzer ESG das Kastell Pöstlingberg und richtete darin die hübsche Grottenbahn mit originellen Keramik-Märchenfiguren der Linzer Bildhauerin Renate Scholz ein, vor der Pöstlingbergkirche dient der Turm als beliebte Aussichtsterrasse. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden einige Türme als moderne Wohnanlagen mit dem Reiz des Romantischen ausgebaut.

Die Türme 9, 10, 12 und 13 stehen heute noch auf Leondinger Gemeindegebiet. Der Turm 9 „Appolonia“ war bis in die 60er Jahre lange Zeit noch in verteidigungsfähigem Zustand, 1878 war er voll internierter Türken und Bosniaken und diente später lange Zeit als Pulvermagazin. Später wurde er für Wohnzwecke adaptiert und beherbergt heute neben Wohnungen auch das Stadtmuseum Leonding.

Auch der Turm 10 “Gertrude“ wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Der Turm 12 „Agnes“ befindet sich in der Ortschaft Berg. Zur Grundsteinweihe 1830 reiste sogar der Kaiser an. Dann war der Turm 12 lange Jahre im Eigentum von Bildhauer Prof. Hans Schmidinger und nach dem Umbau 1957 als „Künstlerklause“ ein beliebtes Tanzlokal. Nach dem Tod des Künstlers wurde der Turm an ein Linzer Computer-Unternehmen verkauft, das Umbaupläne aber nie realisiert hat.

Der Turm 8

Die Buschenschank am Abend Den einstigen Turm 8 gibt es heute nicht mehr. Erste Vorkehrungen zum Bau wurden im Juni 1831 dort getroffen, wo heute die Buschenschank entsteht. Der eigentliche Baubeginn ist unbekannt, aber dem OÖLA F 4/19, fol. 102, 92 ist zu entnehmen, dass das Ausrüstungsende nach November 1832 erfolgte. Der Turm 8 wurde „Margaretha“ genannt und wurde 1871 an die Finanzdirektion zum Verkauf übergeben.

Wohnen im Turm

Jetzt wird der Turm 12, der sich in der Zwischenzeit im Besitz von Baumeister Ing. Heinrich Haller befindet, umgebaut. In dem Projekt Befestigungsturm 12 wird der historische Altbestand im Erdgeschoß und im 1.Obergeschoß für Büroräume, als Galerie und ein Teil für die Stadtgemeinde Leonding als öffentliche Fläche (ca.130m2) genutzt.

In dem aufgesetzten Neubau, der im wesentlichen den Bereich der nur mehr teilweise bestehenden etwa zwei Meter mächtigen Lehmschüttung (Schanzschüttung) und des Holzaufbaues der ehemaligen Künstlerklause umfasst, werden neun Wohnungen rund um einen Innenhof errichtet. Die Nutzfläche der Wohnungen wird rund 1075m2 betragen. Die Fassade des Neubaues wird mit Glas gestaltet. Ein freistehender Aufzug mit verglasten Zugängen wird den Turm vom Keller bis in das 3.Obergeschoß erschließen.

Der Turm 13 „Genoveva“ war vorerst von der Stadt Linz angekauft worden, 1974 hat das Rote Kreuz einen Pachtvertrag erhalten. Jetzt befindet sich der Turm 13 wieder im Besitz der Stadt Leonding und wird renoviert.

Militärisches Auslagenstück

Der Erbauer der Festung Paris, Marschall Marmont, hatte einst bei der Besichtigung der Befestigungsanlage erklärt: „Hier wäre Napoleon gescheitert.“ Und russische Großfürsten bestaunten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts dieses „militärische Auslagenstück des Kaiserreichs“, dennoch aber bleiben die Linzer und Leondinger Festungsanlagen – glücklicherweise – ein Bollwerk, das den Krieg verschlief, eine „Festung“, in der heute Menschen leben und Kinder ihr Vergnügen haben.

(Auszüge aus: „Die heiterste Festung der Welt“ von Wolfgang Sperner, aus dem Buch „LINZ – Portrait einer Stadt“, Oberösterreichischer Landesverlag, 3. Auflage 1976, aktualisiert und OÖLA F 4/19, fol. 102, 92)


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